Notwehr in Tram: Dennis G. freigesprochen

1. März 2011 | Von | Kategorie: In eigener Sache

Der wegen Totschlags angeklagte 18jährige Dennis G. wurde heute von der 39. Jugendkammer des Landgerichts Berlin freigesprochen. Das Gericht folgte damit den Anträgen der Rechtsanwälte Annette Linkhorst und Albrecht Popken, die für ihren Mandanten das Recht auf Notwehr geltend gemacht hatten. Der Fall hatte im August des vergangenen Jahres erhebliche Aufmerksamkeit in den Medien erfahren, nachdem Dennis G. seinem Kontrahenten an einer Tram-Haltestelle in Berlin-Köpenick zwei Messerstiche versetzte, von denen einer tödlich war. Das Messer war ihm unmittelbar vor der Tat von einem Passagier der Tram zugesteckt worden. Dennis G. wurde nach der Tat in Untersuchungshaft genommen, auf den Haftprüfungsantrag seiner Verteidiger Linkhorst und Popken aber kurz vor Weihnachten haftverschont und aus der Jugendstrafanstalt entlassen.

Nach sechs Verhandlungstagen mit einer umfangreichen Beweisaufnahme, in der siebzehn Zeugen gehört wurden, erging heute das freisprechende Urteil. Der Rechtsauffassung der Staatsanwaltschaft, die in ihrem Plädoyer behauptet hatte, dass bei der Tat schon keine Notwehrsituation vorgelegen habe, erteilte das Gericht eine deutliche Absage: Es stünde außer Diskussion, dass Dennis G. von dem 39jährigen Michael K. rechtswidrig angegriffen worden sei und dass dieser Angriff zum Zeitpunkt der Messerstiche auch noch andauerte. Insgesamt handele es sich um einen klassischen Fall der Notwehr, so der Vorsitzende in seiner mündlichen Urteilsbegründung. Dennis G. habe sich gegen den Angriff wie geschehen zur Wehr setzen dürfen, auch mit dem Einsatz eines Messers.

Es ist zu erwarten, dass die Staatsanwaltschaft gegen das Urteil Revision beim Bundesgerichtshof einlegen wird. Diese dürfte jedoch, vor dem Hintergrund der ständigen Rechtsprechung des höchsten Gerichts, wenig Aussicht auf Erfolg haben.