Untersuchungshaft – U-Haft: Rechtsanwalt einschalten

Die Untersuchungshaft – auch als U-Haft bezeichnet – ist das schwerwiegendste Zwangsmittel, dass die Strafprozessordnung bereit hält. Die Untersuchungshaft dient grundsätzlich allein der Sicherung des Verfahrens, sie ist also keine Strafe – auch wenn sie in ihren Wirkungen für den Betroffenen und dessen Angehörige faktisch einer Strafhaft gleichkommt. Untersuchungshaft setzt einen Haftbefehl voraus, dieser muss von einem Richter erlassen sein. Ein Haftbefehl darf nur erlassen werden, wenn

  • ein dringender Tatverdacht besteht

und wenn

  • ein Haftgrund vorliegt (z. B. Flucht oder Fluchtgefahr, Verdunkelungsgefahr).

Darüber hinaus muss die Untersuchungshaft im Verhältnis zur Straftat stehen – die Anordnung einer Untersuchungshaft wäre zum Beispiel unzulässig, wenn der Beschuldigte wegen der Straftat nur eine Geldstrafe zu erwarten hat. Untersuchungshaft wird am häufigsten mit angeblicher Fluchtgefahr begründet. Dabei wird zur Begründung zumeist darauf abgestellt, dass der Täter eine hohe Freiheitsstrafe zu erwarten hat, die ihm Anreiz zur Flucht bietet.

Strafverteidigung bei Untersuchungshaft

Aus Sicht des Strafverteidigers ist die Rechtswirklichkeit der Untersuchungshaft beklagenswert. Allzu oft werden Haftbefehle nur floskelhaft begründet und die gesetzlich vorgeschriebenen Haftgründe unzulässig ignoriert oder faktisch ersetzt durch gesetzlich nicht vorgesehene Haftgründe (beispielsweise zur Erzwingung eines Geständnisses). Auch das Beschleunigungsgebot in Haftsachen wird nicht immer im erforderlichen Maße beachtet. Im Jugendstrafrecht setzen manche Jugendrichter die Untersuchungshaft gesetzeswidrig als Erziehungsmittel ein – der Jugendliche soll in Plötzensee oder im Kieferngrund „zum Nachdenken kommen“.

Die problematische Rechtswirklichkeit der U-Haft wird für den Strafverteidiger zusätzlich erschwert durch die Probleme, die das Haftmandat selbst mit sich bringt. Der Mandant wie auch dessen Angehörige haben oftmals erhebliche Erwartungen an den Anwalt – die Untersuchungshaft soll am besten „sofort“ beendet werden. Allerdings sind die Rechtsmittel gegen die Untersuchungshaft – Haftprüfung und Haftbeschwerde – häufig nur ein stumpfes Schwert. Der Einsatz dieser Verteidigungsmittel muss gut überlegt sein, weil Misserfolge dem Mandanten im weiteren Verfahren durchaus schaden können.

Festnahme – Verhaftung – Untersuchungshaft: Anwalt einschalten

Im Falle einer Festnahme bzw. Verhaftung ist es unerlässlich, sofort einen Rechtsanwalt für Strafrecht zu informieren. Auch dann, wenn ein Angehöriger oder Freund von Ihnen schon in der Untersuchungshaft ist, aber noch keinen Strafverteidiger hat, sollten Sie einen Anwalt benachrichtigen. Falls Ihr Angehöriger in Berlin oder in der Umgebung verhaftet wurde,  finden unsere Telefonnummer unter ‚Kontakt‚, in der Nacht oder am Wochenende wählen Sie bitte die ‚Notrufnummer‚.



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