Sexueller Missbrauch von Kindern – Ihr Anwalt für Strafrecht in Berlin

2. April 2012 | Von | Kategorie: Strafrecht

Der sexuelle Missbrauch von Kindern wird in § 176 StGB unter Strafe gestellt.

Wegen sexuellen Missbrauchs an Kindern wird verurteilt, wer sexuelle Handlungen an einer Person unter vierzehn Jahren – einem Kind – vornimmt, an sich vornehmen lässt oder ein Kind dazu bestimmt, sexuelle Handlungen an einem Dritten vorzunehmen oder von einem Dritten an sich vorzunehmen lassen, § 176 Abs. 1 und Abs. 2 StGB. Eine Handlung ist dann sexuell, wenn sie das Geschlechtliche im Menschen zum unmittelbaren Gegenstrand unter Einsatz des eigenen oder fremden Körpers hat. Sexualbezogene Reden etc. fallen grundsätzlich nicht darunter. Allerdings sind an die Erheblichkeit der Sexualbezogenheit bei Kindern geringere Anforderungen zu stellen als bei Erwachsenen.

Welche Strafe droht bei einer Verurteilung wegen sexuellen Missbrauchs von Kindern?

Der Strafrahmen des Grunddelikt beträgt Freiheitsstrafe von sechs Monaten bis zu zehn Jahren. In besonders schweren Fällen des sexuellen Missbrauchs von Kindern beträgt der Strafrahmen ein Jahr bis fünfzehn Jahren Freiheitsstrafe, § 176 Abs. 3 StGB. Das Gesetz regelt nicht abschließend, wann ein besonders schwerer Fall vorliegt. Vielmehr richtet sich das Vorliegen eines besonders schweren Falls des sexuellen Missbrauchs von Kindern nach einer Gesamtbewertung der strafzumessungserheblichen Umstände. Das kommt beispielsweise bei besonders erniedrigenden Tatumständen sowie bei der Einbindung in ein von Angst, Gewalt und Missbrauch geprägtes Ausnutzungsverhältnis in Betracht.

Auch bei bestimmten Handlungen ohne Körperkontakt kann ein sexueller Missbrauch von Kindern vorliegen. Das Gesetz zählt in § 176 Abs. 4 StGB diese Handlungen auf. Danach machen Sie sich strafbar, wenn Sie sexuelle Handlungen – Exhibitionismus – vor einem Kind vornehmen, ein Kind dazu bestimmen, dass es sexuelle Handlungen an sich vornimmt, auf ein Kind durch Schriften einwirken, um es zu sexuellen Handlungen zu bringen, die es an oder vor sich oder einem Dritten vorzunehmen hat oder von Ihnen oder einem Dritten an sich vornehmen lassen soll, oder wenn Sie auf ein Kind durch Vorzeigen pornographischer Abbildungen oder Darstellungen, durch Abspielen von Tonträgern pornographischen Inhalts oder durch entsprechende Reden einwirken. Der Strafrahmen beträgt dann Freiheitsstrafe von drei Monaten bis zu fünf Jahren. Ebenso werden Sie bestraft, wer Sie ein Kind für eine dieser Handlungen anbieten oder nachzuweisen versprechen oder wenn Sie sich mit einem anderen zu einer solchen Tat verabreden.

Schwerer sexueller Missbrauch von Kindern § 176a StGB

Daneben gibt es noch den sogenannten schweren sexuellen Missbrauch von Kindern, der in § 176a StGB unter Strafe gestellt ist. Wenn Sie in den letzten fünf Jahren wegen des Vorwurfs des sexuellen Missbrauchs nach § 176 Abs. 1 oder Absatz 2 StGB an Kindern verurteilt worden sind, können Sie zu einer Freiheitsstrafe von nicht unter einem Jahr verurteilt werden. Zu mindestens zwei Jahren Freiheitsstrafe werden Sie verurteilt, wenn Sie in den Fällen des § 176 Abs. 1 und 2 StGB als über Achtzehnjähriger mit dem Kind den Beischlaf vollzogen oder ähnliche sexuelle Handlungen an ihm vorgenommen oder an sich von ihm haben vornehmen lassen, die mit einem Eindringen in den Körper verbunden sind, Sie die Tat mit einer weiteren Person gemeinschaftlich begangen haben oder Sie das Kind durch die Tat in die Gefahr einer schweren Gesundheitsschädigung oder einer erheblichen Schädigung der körperlichen oder seelischen Entwicklung gebracht haben. Mit Freiheitsstrafe nicht unter zwei Jahren werden Sie bestraft, wenn Sie in den Fällen des § 176 Abs. 1 bis 3, 4 Nr. 1 oder Nr. 2 oder des § 176 Abs. 6 als Täter oder anderer Beteiligter in der Absicht gehandelt haben, die Tat zum Gegenstand einer pornographischen Schrift (§ 11 Abs. 3) zu machen, die nach § 184b Abs. 1 bis 3 verbreitet werden soll. Allerdings kann in minder schweren Fällen die Strafe gemildert werden. Mit Freiheitsstrafe nicht unter fünf Jahren werden Sie bestraft, wenn Sie das Kind in den Fällen des § 176 Abs. 1 bis 3 bei der Tat körperlich schwer misshandelt oder durch die Tat in die Gefahr des Todes gebracht haben.

Versuch und Verjährung bei § 176 StGB

Im Gros der Fälle des sexuellen Missbrauchs von Kindern ist auch der Versuch strafbar. Außerdem müssen Sie berücksichtigen, dass die Verjährung erst mit Vollendung des achtzehnten Lebensjahres des Opfers beginnt. Weil die Verjährung regelmäßig zehn Jahre beträgt, kann die Tat zum Teil noch Jahrzehnte nach der Tat verfolgt werden!

Ihr Anwalt und Fachanwalt für Strafrecht in Berlin

Der Vorwurf des sexuelllen Missbrauchs von Kindern ist äußerst schwerwiegend. Sollten Sie Beschuldigter eines Ermittlungsverfahrens wegen einer solchen Straftat sein, sollten Sie umgehend einen Strafverteidiger beauftragen. In Berlin und Brandenburg steht Ihnen Rechtsanwalt und Fachanwalt für Strafrecht Dr. Tarig Elobied engagiert zur Seite.