Strafbefehl: Lohnt sich der Einspruch?

22. August 2012 | Von | Kategorie: Informationen zum Strafbefehl

Einspruch gegen den Strafbefehl einlegen?

Akten im Strafbefehlsverfahren

Strafbefehl: Entscheidung nach Aktenlage

Wer einen Strafbefehl erhalten hat, steht regelmäßig vor der Frage, ob er Einspruch einlegen soll oder nicht. Die Frage sollte gut überlegt werden, denn der Einspruch ist nicht ohne Risiko: Nach dem Einspruch kommt es zur Hauptverhandlung vor dem Amtsgericht, am Ende der Verhandlung wird es ein Urteil geben. Dieses Urteil kann günstiger ausfallen, es kann aber auch schlechter ausfallen. Der Richter ist nämlich nach einem Einspruch gegen den Strafbefehl nicht an die Strafe im Strafbefehl gebunden, er kann abweichend vom Strafbefehl auch eine höhere Strafe verhängen. Das geschieht nicht selten. “Schlimmer kann es nicht werden” gilt also im Strafbefehlsverfahren gerade nicht!

Trotz dieser Risiken, die mit dem Einspruch verbunden sind, empfiehlt es sich in vielen Fällen, entweder den Einspruch einzulegen oder aber wenigstens die Erfolgsaussichten eines Einspruchs von einem Anwalt für Strafrecht prüfen zu lassen. Das hat verschiedene Gründe:

  • Das Strafbefehlsverfahren ist ein “summarisches Verfahren”, es wird nur nach Aktenlage, und zwar zumeist “kurz und bündig” entschieden. Das kann aber zur Folge haben, dass wesentliche Argumente, die für den Beschuldigten sprechen, nicht berücksichtigt wurden – häufig deshalb, weil sie nie vorgetragen wurden und deshalb auch nicht in der Akte sind.
  • Viele Strafbefehle sind fehlerhaft, insbesondere deshalb, weil die Einkommensverhältnisse des Beschuldigten falsch geschätzt wurden. Das kann zur Folge haben, dass die Höhe der Tagessätze und damit die Geldstrafe viel zu hoch ausfällt.
  • Ist jemand zum ersten Mal strafrechtlich in Erscheinung getreten, dann kann statt der Geldstrafe auch eine Einstellung des Verfahrens gegen Auflage in Betracht kommen. Damit wird eine Bestrafung vermieden – der Beschuldigte muss zwar in der Regel eine Geldauflage zahlen, aber er wird wenigstens nicht bestraft. Damit wird auch ein Eintrag im Bundeszentralregister bzw. im Führungszeugnis vermieden.
  • Häufig kann mit einem Einspruch auch erreicht werden, dass die Anzahl der Tagessätze reduziert wird. Das kann vor allem dann wichtig sein, wenn es darum geht, einen Eintrag im Führungszeugnis (”vorbestraft”) zu vermeiden.

Es ist also in vielen Fällen lohnenswert, gegen den Strafbefehl Einspruch einzulegen. Das gilt auch dann, wenn der Beschuldigte die ihm vorgeworfene Tat begangen hat, er also “schuldig” ist. Denn nicht immer geht es allein darum, einen Freispruch zu erzielen.

Holen Sie sich Rat beim Strafverteidiger!

Bevor Sie einen Strafbefehl vorschnell akzeptieren, sprechen Sie mit einem Strafverteidiger (Kontakt). Wir beraten sie gerne, was in Ihrem Strafverfahren realistisch zu erreichen ist und ob der Einspruch gegen den Strafbefehl sinnvoll ist oder nicht.

 

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